Michael Nehls zwischen Alzheimer-Lüge und Heilungsversprechen

Sein erstes Buch zum Thema, erschienen September 2014 unter dem Titel:  Die Alzheimer-Lüge,  wird  zum Bestseller.  Ich habe es auch gelesen und konnte über weite Strecken zustimmend nicken.  Bis ich auf Widersprüchlichkeiten  stieß und der Verdacht aufkam, als handele es sich bei diesem Buch um eine Auftragsarbeit zum Zweck der Werbung für Früherkennung

Für den Autor steht fest, dass Alzheimer eine Krankheit ist, die zu dem Zeitpunkt des ersten Verdachtes,  der die Betroffenen zum Arzt führt, bereits so weit fortgeschritten ist, dass das Fortschreiten nicht mehr aufzuhalten ist.  Darum plädiert er für Früherkennung und dies in einer Weise die jedem Leser suggeriert, der Nächste zu sein, wenn er nicht vor dem Auftreten erster Anzeichen präventiv wird.

 Seite 140 : Jahr für Jahr werden zusätzliche Krankheitsmarker gefunden, die immer früher eine gewisse prognostische Sicherheit bieten.  Derzeit setzt man bei der Früherkennung auf bildgebende Verfahren und auf sogenannte Biomarker.  Dies sind Proteine, die schon in der Frühphase (bevor erste Anzeichen bemerkt werden) verändert sind und dann im Blut oder der Rückenmarksflüssigkeit nachgewiesen werden können.

Wie können Ärzte eine Krankheit früh erkennen, die  nicht einmal mittels bildgebender Verfahren und Biomarkern eindeutig diagnostiziert  werden kann, wenn Demenzsymptome im fortgeschrittenen Stadium vorliegen?  Eben gerade weil es bis heute keine körperlichen Befunde gibt, mit denen sich Alzheimer von anderen Demenzen oder hirnorganischen Veränderungen unterscheiden lässt, hat sich die Medizin auf eine Art Ausschlussverfahren verständigt.  Laut internationalem Diagnoseschlüssel (ICD-10) kann Alzheimer angenommen werden, wenn weder eine körperliche noch eine andere Ursache für bestimmte  Demenzsymtome gefunden wird und diese auch nach 6 Monaten noch bestehen.
Im Übrigen ergibt dieses Werben für Frühdiagnostik von der Sache her keinen Sinn.  Wenn Alzheimer – wie Nehls erklärt, eine Zivilisationkrankheit ist, der man in beschriebener Weise vorbeugen kann, dann wäre jeder gut beraten seine Lebensführung entsprechend zu gestalten.  Vor allem ältere Menschen.

Diese Frühdiagnostik  rangiert bei mir ganz oben auf der Liste von Lug und Betrug  auf dem Alzheimer-Markt. Reine Geschäftemacherei. Und obendrei ein gefährliches Spiel mit der Angst.
Auf dem Spielfeld der Angst bewegt sich auch der Autor von Die Alzheimer-Lüge:

Seite 140: „Schon heute liegt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihr Leben mit der Alzheimer-Krankheit beenden werden, bei 50 bis 90 Prozent, je nach Ihrem Lebensalter und Geschlecht. Sie können aber jetzt schon entscheiden, ob Sie nur auf zukünftige Medikamente hoffen oder – natürlich nur, wenn nötig – etwas an Ihrem Lebenswandel ändern und damit der Alzheimer-Lüge als solche überführen wollen, zumindest für sich selbst.  Wenn Sie aber nichts tun und einfach abwarten, dann wird mit einiger Wahrscheinlichkeit folgen, was folgen muss: die zweite Phase des Krankheitsprozesses. “  Und dieser Krankheitsprozess endet  nach der Definition des Dr. Nehls  in Phase fünf, wie folgt (Seite 146):
„Gegen Ende verlassen Sie Ihr Bett nicht mehr, mit dem Geist stellt auch der Körper gewissermaßen seinen Betrieb ein. Es folgen schließlich Hautinfektionen an Druckstellen, die leicht zu systemischen Infektionen führen können, zumal aufgrund Ihrer Gewichtsabnahme Ihr Immunsystem stark geschwächt ist. Auch Alzheimers berühmte Patientin Auguste Deter starb vermutlich an einer Blutvergiftung, hervorgerufen durch ein Wundliegen. Sie neigen infolge der Immobilisation und Dehydrierung auch zu Thrombosen in Ihren Blutgefäßen, die zu Durchblutungsstörungen führen. Am wahrscheinlichsten beendet eine Lungenembolie das Drama.“

An dieser Stelle habe ich folgende Notiz im Buch vermerkt: „Das muss schon lange her sein, dass dieser Dr. med. einen leibhaftigen Kranken gesehen hat“.  An anderen Stellen, ich finde sie jetzt nicht mehr, sterben Alzheimerkranke  wenn sie in ihrer Entwicklung bis zum embryonalen Zustand zurückgefallen sind, wo nicht einmal mehr der Schluckreflex funktioniert.    Nach seiner Überzeugung entwickelt der einmal in Gang gekommene hirnorganische Abbauprozess  eine Eigendynamik, die einer Lawine gleich unaufhaltsam voranschreitet. Da macht er auch keine Unterschiede, so als hätte er noch nie gehört von den sehr unterschiedlichen Verläufen in der Praxis.  Völlig unbeachtet lässt er den Einfluss von Pflege und Zuwendung auf das Fortschreiten der Demenz.  Hier könnte man meinen, dass ab dem Zeitpunkt der Diagnose, alles zu spät ist und es dann keine Rolle mehr spielt, wie die Betroffenen behandelt werden. Sie sind verloren. Da hilft nichts.  Ebenfalls komplett außer acht, lässt dieser Arzt die medikamentösen Auslöser und Verstärker der Demenz.   Noch bezieht er die vielen anderen Ursachen für Demenzsymptome ein, die sehr häufig als Alzheimer verkannt werden.

Exakt ein Jahr nach der Alzheimer-Lüge erscheint  im selben Verlag  Alzheimer ist heilbar.

Während  Dr. med. Michael Nehls in seinem Buch über die Alzheimer-Lüge keinen Zweifel aufkommen kommen lässt, dass es Alzheimer gibt und es sich dabei um eine Krankheit handelt die durch gesunde Lebensführung verhindert aber in keinem Falle geheilt werden kann,  beschreibt er ein Jahr später in seinem neuen Buch, wie Alzheimer geheilt werden kann, wenn die Krankheit früh genug erkannt wird.  Angesichts dieses Erkenntniswandels in so kurzer Zeit, muss vermutet werden, dass es auch bei dem zweiten Buch vor allem darum geht,  den Anreiz zur Alzheimer- Früherkennung zu verstärken.  Das erste Buch ist zu diesem Zweck nicht wirklich geeignet, weil sich der Leser vernünftiger Weise fragt, was ihm die Früherkennung bringt, wenn es selbst im frühen Stadium keine Heilungschance gibt.  In „Alzheimer ist heilbar“ wird bei Früherkennung hingegen Heilung in Aussicht gestellt.

Während Nehls auf Frühdiagnostik setzt, raten wir dringend davon ab.  Denn solange in der Medizin die offizielle Lehrmeinnung herrscht, dass Alzheimer eine mit nichts zu heilende Krankheit ist,  kann bereits ein Anfangsverdacht  den Betroffenen in eine entsprechende Erwartungshaltung versetzen, die ihn überängstlich jede noch so kleine Vergesslichkeit als Fortschreiten seines geistigen Abbaus deuten lässt.  Das ist höchst verantwortungslos, und muss unterbunden werden.

Alzheimer  erwarten macht krank, so auch das Ergebnis dieser amerikanischen Studie von 2015: alzheimer-erwarten-macht-krank_culture-brain-link-

Wir raten:

  • Lassen Sie sich durch diese Bücher  bloß nicht verleiten, einen Alzheimertest zu machen.
  • Lassen Sie sich nicht ins Boxhorn jagen, schon gar nicht von Ärzten, die Frühtests empfehlen, für eine Krankheit die bis heute nicht nachweisbar ist.
  • Halten Sie sich das Hirngespinst Alzheimer vom Laib.

 

Eine gesunde Lebensführung ist immer gut!

Während die Forschung weltweit bisher im Nebel nach den Ursachen sucht, von einer Krankheit die sich mit medizinischen und wissenschaftlichen Methoden nicht fassen lässt,  weiß Dr. Nehls mit 100 prozentiger Sicherheit, wodurch Alzheimer entsteht und wie Alzheimer verhindert werden kann.   Als  Molekulargenetiker hat sich der Autor, wie er vorgibt, mit hunderten von Studien befasst, die im Literaturverzeichnis angeführt sind und seinen Thesen einen wissenschaftlichen Anstrich geben sollen. Viele Aussagen und Herleitungen  sind selbstredend und unterstreichen die Ansichten, die wir auf www.demenzrisiko.de vertreten.   Bedenkenswert bis hilfreich an den Ausarbeitungen des Herrn Nehls, sei folgendes herausgestellt:

Kernaussage:  Alzheimer ist kein Schicksal das Menschen im Alter mit hoher Wahrscheinlichkeit ereilt, sondern eine vermeidbare Zivilisationskrankheit.

Vergleichbar mit dem Altersdiabetes, bei dem es infolge von Fehlernährung zum Versagen der insulinbildenden Zellen in der Pankreas kommt, bringt Nehls ungesunde Lebensweisen mit dem Risiko, an Alzheimer zu erkranken, in Zusammenhang.   Er beschreibt Alzheimer als Mangelerkrankung.  Vor allem ein Mangel an Wertschätzung, nicht mehr gebraucht, nicht mehr gefragt zu werden, für niemanden eine Bedeutung zu haben.  Diese Einschätzung teilen wir. Joachim Bauer hebt  in fast all seinen Büchern die  Bedeutung der Wertschätzung und körperlichen Reaktionen auf seelische „Notlagen“ hervor.  Ähnlich anschaulich beschreibt auch Nehls die Wechselwirkungen zwischen  äußeren Umständen, Verhaltensmustern und den Reaktionen auf die Vorgänge im Gehirn. Hier beispielhaft ein Zitat (S.89):

„…..Neuronen sterben aber auch nach wie vor, wenn sie ihren etablierten Kontakt zu anderen Neuronen verlieren, ihre Synapsen stumm werden und keine Überlebenssignale mehr erhalten. Das geschieht bei der Alzheimer-Erkrankung, wenn beispielsweise ein Versiegen an äußeren sozialen Kontakten zwischen Menschen zum Versiegen innerer „sozialen“ Kontakte zu Neuronen führt.“

Neben der gefühlten Bedeutungslosigkeit,  die sich auch auf das Zeitempfinden auswirkt, beschreibt Nehls Bewegungsmangel sowie den Mangel an wichtigen Ernährungsbestandteilen, als Hauptfaktoren, die zu degenerativen Veränderungen der Hirnsubstanz führen.  Bezogen auf die Bewegung leuchtet jedem ein,  dass der Zellstoffwechsel durch körperliche Bewegung verbessert, sowie darüber hinaus das Gehirn in vielen Bereichen aktiviert wird. Vieviel Bewegung und welche Art der Bewegung jedoch notwendig ist, um der vermeindlichen Alzheimerkrankheit vorzubeugen,  woher will man, sprich  Dr. Nehls, das so genau wissen?   Gleiches kann zur Ernährung gesagt werden.  Eine ausgewogene Ernährung mit möglichst naturbelassenen, vitalstoffreichen Nahrungsmitteln, dürfte in jedem Falle gesünder sein, wie eine einseitige Ernährung an der Imbissbude.  Vor allem sollte auf gute Öle geachtet werden, vorzugsweise kalt gepresstes Oliven-, Raps- und Leinöl, da sie einen sehr guten Omega-6-/Omega-3-Fettsäuren Quotienten haben, schreibt Nehls.  Auch Fisch ist besser für den Hirnstoffwechsel als Fleisch. Wer seinem Gehirn richtig was Gutes tun will, sollte Kokusöl  statt Butter verwenden.   Soweit so gut. Demnach dürfte ich ernährungsmäßig auf der sicheren Seite sein.  Das rund hundertseitige Kapitel zur Ernährung, habe ich nach dieser Feststellung nur rasch überflogen, zumal ich die wissenschaftlichen Herleitungen des Autors, mit Bezug zu Alzheimer, nicht nachvollziehen konnte.

In jedem Falle sind seine  Empfehlungen: gegen den Mangel an Wertschätzung, für regelmäßige Bewegung und zur Vermeidung von Fehlernährung gesundheitsförderlich.  Wer die wichtigsten Grundregeln gesunder Lebensführung beachtet, hat allgemein gute Chance auf ein hohes Lebensalter, ohne die üblichen Zivilisationskrankheiten, und ohne  den Verstand zu verlieren.  Das kann wohl jeder  unterstreichen.

Nehls erteilt den Antidementiva eine klare Absage, womit er bei uns offene Türen einrennt,  siehe „Meiner Oma würde ich die nicht geben.“  Auch seine Kritik an der Forschung, Pharmazie und Medizin ist wichtig und richtig. Hier könnte man sogar von  gezieltem Vorbeiforschen an offensichtlichen Faktoren sprechen.  Die Alzheimerlobby profitiert von einem Wachstumsmarkt den sie vollständig in der Hand hat und freiwillig wohl  kaum hergeben wird.  Jedes Jahr, meist kurz vor dem Weltalzheimertag, wird ein neuer Hoffnungsfunke in Umlauf gebracht, wohl wissend, dass sich im Jahr darauf keiner mehr daran erinnert.  2011 hatte die Alzheimer Forschung ihren tiefsten Punkt erreicht.  Es sah so aus, als ob sie jetzt endgültig resigniert und die Suche aufgibt. Nachdem also jahrzehntes, weltweites forschen nicht eine einzige haltbare Erklärung für die vermeintliche Alzheimerkrankheit  gebracht hatte, verständigten sich die Experten darauf, dass  Alter zum Hauptrisikofaktor für Alzheimer zu erklären.  Man stelle sich vor, in den Lehrbüchern heutiger Medizin, würde die Kindheit als Hauptursache für Kinderkrankheiten verstanden oder die Schwangerschaft als Ursache für Missbildungen.  Im Grunde handelt es sich um einen Offenbarungseid der Alzheimerforschung; das Eingeständnis, nichts über diesen Morbus Alzheimer zu wissen. Nehls geht darauf ebenfalls in seinem Buch ein, mit folgendem Gedankenspiel:

„Dass die meisten Menschen im Bett sterben, heißt das etwa, dass unsere an sich als harmlos erscheinende Schlafstätte über tödliche Kräfte verfügt? Kann man aus der statistischen Beziehung zwischen der Zeit, die wir im Bett verbringen, und der Wahrscheinlichkeit, dort zu sterben, auf ein verursachendes Risiko schließen?  Sicherlich nicht, aber nach eben dieser „Logik“ postuliert etwa die Alzheimer Forschung Initiative e.V. stellvertretend für die Mehrheit der Experten: „Das Alter ist unbestritten der größte Risikofaktor“ für die Alzheimer-Krankheit und suggeriert damit eine ursächliche Beziehung. Man fragt sich also: Wie töten  die Lebensjahre unser Gehirn? Ist das Verdämmern der geistigen Kräfte im Alter tatsächlich ein unvermeidbares Schicksal? Muss man wirklich Angst vor dem Älterwerden haben?  Auf diese Frage liefert dieses Buch ein entschiedenes und wissenschaftlich begründetes Nein! Ich versichere Ihnen, dass Sie weder das Bett meiden noch sich Sorgen über Ihr natürliches Älterwerden machen müssen.“  Und einige Zeilen weiter: „ Wenn wir an Alzheimer erkranken sollten, dann liegt das nicht daran, dass wir älter geworden sind, sondern daran, wie wir gealtert sind.“

Abgesehen davon, dass wir in Alzheimer ein Konstrukt sehen und keine greifbare Krankheit, teilen wir die Einschätzung des Autors in diesem Punkte.

Wegen der eingangs ausgeführten Kritik  kann ich keines der Bücher von Michael Nehls  empfehlen.  Die Selbstherrlichkeit mit der dieser Autor auftrumpft diskrediert ihn außerdem. Dieser Dr. med. hat wohl nie einen vermeindlich Alzheimerkranken behandelt. Soweit aus Internetrecherchen erfahrbar, hat er als Arzt nie gearbeitet.

 

2 Kommentare

  1. Hier spricht kein Arzt, sondern nur ein sehr interessierter, nicht unintelligenter Laie… und was ist an der Früherkennung so verwerflich, da es doch beweisbar Heilung gibt – siehe 2. Buch. Obiger Artikel kommt aus der Feder eines Beleidigten (geschlechtsneutral, da ich den Autor nicht finde), der nicht selbst diese Schlussfolgerungen gezogen hat. Ich bedaure sehr in (Ost)österreich noch keinen Arzt gefunden zu haben, der den Nehls-Weg geht.

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